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Krankenversicherung bei Selbstständigen: Das zahlst du für die Krankenkasse

Vorsorge
(Aktualisiert: )Annika Zweimüller8 Minuten

Die Entscheidung für die richtige Krankenversicherung ist für Selbstständige eine der wichtigen Weichenstellungen ihrer Karriere. Anders als Angestellte müssen sie sich eigenständig um ihren Versicherungsschutz kümmern – und dabei nicht nur zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen, sondern auch zahlreiche finanzielle und persönliche Faktoren berücksichtigen.

Person sitzt entspannt auf dem Sofa mit Smartphone und Gipsfuß – Symbolbild für Absicherung und finanzielle Vorsorge im Rahmen der Krankenversicherung bei Selbstständigen.

Gesetzliche Krankenversicherung für Selbstständige

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht auch Selbstständigen offen – allerdings auf freiwilliger Basis. Wer sich für die GKV entscheidet, zahlt einkommensabhängige Beiträge, die sich nach dem allgemeinen oder ermäßigten Beitragssatz sowie einem Zusatzbeitrag richten. Das Einkommen wird mit dem Einkommensteuerbescheid nachgewiesen.

Merke

Gibt es noch keinen Einkommensnachweis, weil du beispielsweise erst frisch als Freelancer gestartet hast, ergibt sich dein Beitrag auf Basis deines letzten Gehalts. Dein tatsächliches Einkommen kannst du allerdings bis zu drei Jahre später noch nachweisen. Dann kann es ggf. zu Rück- oder Nachzahlungen kommen.

Beitragsübersicht GKV für Selbstständige 2025

Beitragsart

Beitragssatz

Mindestbeitrag (Gehalt < 1.248,33 € monatlich)

Höchstbeitrag (Gehalt > 5.512,50 € monatlich)

Allgemeiner Beitragssatz

14,6 %

182,26 €

805,83 €

Zusatzbeitrag (durchschnittlich)

2,5 %

31,21 €

137,81 €

Pflegeversicherung (mit Kind)

3,6 %

44,94 €

198,45 €

Pflegeversicherung (kinderlos)

4,2 %

52,43 €

231,53 €

Gesamt (mit Kind)

20,7 %

258,41 €

1.142,09 €

Gesamt (kinderlos)

21,3 %

265,90 €

1.175,17 €

Die Zahlen stammen vom Bundesministerium für Gesundheit [1], [2], [3] .

Mindest- und Höchstbeträge der gesetzlichen Krankenversicherung bei Selbstständigen

Die Beitragshöhe der gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige richtet sich nach dem Einkommen. Dabei gelten jedoch bestimmte Grenzen:

  • Mindestbeitrag: Auch wenn das tatsächliche Einkommen unterhalb einer bestimmten Schwelle liegt oder schwankt, wird ein sogenanntes fiktives Mindesteinkommen von derzeit 1.248,33 € monatlich zugrunde gelegt. Das bedeutet: Selbst bei sehr geringem oder keinem Einkommen müssen Selbstständige mindestens rund 258–266 € pro Monat für Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.
  • Höchstbeitrag: Umgekehrt wird das Einkommen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 5.512,50 € monatlich berücksichtigt. Wer mehr verdient, zahlt dennoch nicht mehr als den daraus resultierenden Höchstbeitrag von rund 1.142–1.175 € pro Monat, abhängig vom Familienstand.

Diese Regelung sorgt für Planbarkeit, kann aber gerade bei schwankenden oder niedrigen Einnahmen zur finanziellen Belastung werden.

Sonderregelung: Künstlersozialkasse

Selbstständige Künstler und Publizisten profitieren von einer besonderen Regelung: Sie können sich über die Künstlersozialkasse (KSK) gesetzlich versichern und zahlen dabei nur etwa die Hälfte der regulären Beiträge für Selbstständige – ähnlich wie Arbeitnehmer. Die andere Hälfte übernimmt die KSK, finanziert durch einen Bundeszuschuss und die sogenannte Künstlersozialabgabe von Unternehmen.

Beispiel

Bei einem Jahreseinkommen von 10.000 € liegt der monatliche Eigenanteil für die Krankenversicherung bei rund 60,83 € (jährlich 730 €), für die Pflegeversicherung bei 15–20 €, je nach Familiensituation.

Welche Versicherungen du als Freelancer noch brauchst, erfährst du in diesem Artikel: Diese 6 Versicherungen für Selbständige brauchst du unbedingt!

Private Krankenversicherung für Selbstständige

Die private Krankenversicherung (PKV) ist für viele Selbstständige eine attraktive Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung – insbesondere für Gutverdienende, junge Menschen ohne Familie oder solche mit besonderen Leistungsansprüchen. Im Gegensatz zur GKV sind die Beiträge in der PKV nicht einkommensabhängig, sondern richten sich nach individuellen Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Leistungsumfang.

Vorteile der PKV für Selbstständige

  • Individuelle Tarifgestaltung: Leistungen können flexibel gewählt und angepasst werden
  • Schnellere Arzttermine und bessere Versorgung: Zugang zu Privatärzten und Chefarztbehandlung
  • Beitragsrückerstattungen: Bei Leistungsfreiheit möglich
  • Keine fiktiven Mindesteinkommen: Beitrag orientiert sich nicht am Einkommen

Nachteile der PKV als Freelancer Krankenversicherung

  • Beitragserhöhungen im Alter: Trotz Altersrückstellungen steigen die Beiträge langfristig
  • Keine kostenlose Familienversicherung: Für jedes Familienmitglied ist ein eigener Vertrag nötig
  • Gesundheitsprüfung bei Vertragsabschluss: Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen oder Ablehnung führen
  • Wechsel zurück in die GKV oft schwierig: Besonders ab 55 Jahren nahezu ausgeschlossen
Person sitzt entspannt auf dem Sofa mit Smartphone und Gipsfuß – Symbolbild für Absicherung und finanzielle Vorsorge im Rahmen der Krankenversicherung bei Selbstständigen.

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GKV oder PKV – was passt zu wem?

Die Entscheidung, welche Krankenversicherung Selbstständige abschließen sollen, ist sehr individuell. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile – entscheidend ist, welche Lebenssituation und Prioritäten vorliegen.

Wann ist die gesetzliche Krankenversicherung sinnvoll?

Die gesetzliche Krankenversicherung eignet sich besonders für dich, wenn du:

  • ein geringes oder schwankendes Einkommen hast.
  • Familienangehörige ohne eigenes Einkommen mitversichern möchtest.
  • Vorerkrankungen hast, die in der PKV zu hohen Beiträgen führen würden.
  • Sicherheit und Planbarkeit bei den Leistungen bevorzugst.
  • als Künstler oder Publizist über die Künstlersozialkasse versichert bist.

Wann lohnt sich die private Krankenversicherung für Selbstständige?

Die private Krankenversicherung ist oft die bessere Wahl für dich, wenn du:

  • jung, gesund und kinderlos bist.
  • ein hohes und stabiles Einkommen hast.
  • individuelle Leistungen und eine bevorzugte medizinische Versorgung wünscht.
  • bereit bist, dich aktiv mit Tarifwahl und Vorsorge auseinanderzusetzen.
  • keine Familienversicherung benötigst.

Deine Entscheidung sollte gut überlegt und idealerweise mit professioneller Beratung getroffen werden – etwa durch unabhängige Versicherungsberater oder Verbraucherzentralen. Denn ein späterer Wechsel – insbesondere von der PKV zurück in die GKV – ist oft nur unter bestimmten Bedingungen oder gar nicht mehr möglich.

Merke

Bei der Suche nach der richtigen Versicherung können auch unabhängige Vergleichsportale, wie clark oder verivox helfen.

Krankengeld und Krankentagegeld: Absicherung im Krankheitsfall

Als Selbstständiger hast du keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. In der gesetzlichen Krankenversicherung kannst du jedoch das sogenannte Krankengeld absichern – entweder direkt ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit (Standard) oder gegen einen höheren Beitrag auch ab dem 15. Tag. Das Krankengeld beträgt in der Regel 70 % des Arbeitseinkommens.

In der privaten Krankenversicherung gibt es das Pendant: das Krankentagegeld. Hier kannst du individuell festlegen, ab wann und in welcher Höhe du im Krankheitsfall abgesichert sein möchtest. Die Beiträge richten sich nach dem gewählten Tarif und deinem Alter.

Tipp

Prüfe, ob und ab wann du eine solche Absicherung benötigst – gerade bei längeren Ausfallzeiten kann das finanziell entscheidend sein.

Wechsel zwischen GKV und PKV: Was ist zu beachten?

Ein Wechsel von der GKV in die PKV ist für Selbstständige jederzeit möglich. Die Rückkehr von der PKV in die GKV ist jedoch meist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich – etwa bei Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung oder nach längerer Auslandszeit. Ab dem 55. Lebensjahr ist die Rückkehr in die GKV in der Regel ausgeschlossen.

Krankenversicherung bei schwankendem Einkommen oder in der Gründungsphase

Gerade in der Anfangszeit der Selbstständigkeit oder bei schwankenden Einnahmen stellt sich für dich vielleicht die Frage: Wie lässt sich die Krankenversicherung finanzieren, wenn das Einkommen (noch) nicht stabil ist?

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GKV: Flexibilität durch Einkommensprognose

In der gesetzlichen Krankenversicherung haben Selbstständige die Möglichkeit, eine Einkommensprognose für das laufende Kalenderjahr abzugeben. Auf dieser Basis berechnet die Krankenkasse die vorläufigen Beiträge. Das ist besonders hilfreich in der Gründungsphase, wenn das tatsächliche Einkommen noch nicht feststeht.

Am Jahresende erfolgt ein Abgleich mit dem tatsächlichen Einkommen (z. B. anhand des Steuerbescheids). Ist das Einkommen niedriger als prognostiziert, kann es zu einer Rückerstattung kommen – liegt es höher, sind Nachzahlungen möglich. Wichtig ist daher, die Prognose realistisch und nachvollziehbar zu gestalten.

Antrag auf Beitragsminderung

Wenn das Einkommen dauerhaft oder vorübergehend unter dem fiktiven Mindesteinkommen liegt (aktuell ca. 1.248 € monatlich), kann bei der Krankenkasse ein Antrag auf Beitragsminderung gestellt werden. Dafür müssen entsprechende Nachweise eingereicht werden, etwa:

  • aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA)
  • Einnahmen-Überschuss-Rechnungen
  • Steuerbescheide oder -vorauszahlungen

Wird der Antrag bewilligt, kann die Krankenkasse ein niedrigeres Einkommen als Berechnungsgrundlage akzeptieren – was zu deutlich geringeren monatlichen Beiträgen führt.

Merke

In der privaten Krankenversicherung gibt es keine einkommensabhängige Beitragsberechnung. Das bedeutet: Auch bei geringem Einkommen bleibt der Beitrag konstant. Eine Entlastung bei schwankenden Einnahmen ist nicht vorgesehen. Wer sich für die PKV entscheidet, sollte daher über ausreichende Rücklagen verfügen, um auch in umsatzschwachen Monaten die Beiträge zuverlässig zahlen zu können.

Krankenversicherung bei nebenberuflicher Selbstständigkeit

Bist du nebenberuflich selbstständig und übst hauptberuflich eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aus, bleibst du in der Regel über deinen Arbeitgeber versichert. Erst wenn die Selbstständigkeit zum Haupterwerb wird – also zeitlich und finanziell überwiegt –, musst du dich eigenständig krankenversichern. Die Einstufung nimmt deine Krankenkasse individuell vor.

Tipp: Informiere deine Krankenkasse frühzeitig über Veränderungen im Umfang deiner Selbstständigkeit, um Nachzahlungen oder Versicherungslücken zu vermeiden.

Fazit: Gut abgesichert – aber richtig: Krankenversicherung mit Weitblick wählen

Die Wahl der passenden Krankenversicherung ist für Selbstständige weit mehr als eine reine Kostenfrage. Sie beeinflusst nicht nur die finanzielle Belastung im Hier und Jetzt, sondern auch die Versorgung im Krankheitsfall und die Stabilität im Alter. Während die gesetzliche Krankenversicherung mit einkommensabhängigen Beiträgen und Familienversicherung punktet, bietet die private Krankenversicherung individuelle Leistungen und oft günstigere Einstiegstarife – allerdings mit langfristigen Verpflichtungen.

Besonders in der Gründungsphase oder bei schwankendem Einkommen ist es wichtig, die Möglichkeiten zur Beitragsminderung in der GKV zu kennen. Wer sich für die PKV entscheidet, sollte frühzeitig vorsorgen und regelmäßig prüfen, ob der gewählte Tarif noch zur Lebenssituation passt.

Unabhängig vom gewählten Modell gilt: Eine fundierte Entscheidung, idealerweise mit fachlicher Beratung, zahlt sich langfristig aus – für deine Gesundheit und deine finanzielle Sicherheit.

FAQs: Krankenversicherung bei Selbstständigen

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit
  2. Bundesministerium für Gesundheit
  3. Bundesministerium für Gesundheit
Portrait von Annika Zweimüller, Expertin für Content Marketing aus Mannheim
Der Autor

Annika Zweimüller

Annika Zweimüller ist als SEO Content Creator bei Hays tätig und trägt maßgeblich dazu bei, wertvollen, suchmaschinenoptimierten Content für Hays sowie für tribeworks zu entwickeln. Mit ihrer umfassenden Erfahrung bei Hays bringt sie fundiertes Fachwissen in den Bereichen Recruiting, Personalvermittlung und Employer Branding mit. Darüber hinaus ist Annika als OKR-Coach im Marketingteam aktiv, wo sie sich um die effektive Zielsetzung und die strategische Verfolgung von Unternehmenszielen kümmert.

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